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Vorurteile gegen Personaldienstleister – wahr oder falsch?

Die Zeitarbeit ist eine Branche, der ihr Ruf weit vorauseilt – und das nicht nur im Guten. Sätze wie „Das ist doch moderne Sklaverei“, fallen in der Debatte um die Zeitarbeit leider immer wieder. Dabei kann die Zeitarbeit attraktive Chancen schaffen, schnell in ein neues Arbeitsverhältnis zu kommen oder auch bei der Berufswahl zu unterstützen.

Heute gehen wir einmal kritisch auf die häufigsten Vorurteile ein und erklären, was es damit auf sich hat – oder eben nicht.

Voruteil 1. Zeitarbeitnehmer bekommen keine Festanstellung

Das ist falsch. Zeitarbeitnehmer sind fest angestellt – bei der Zeitarbeitsfirma. Die Arbeitnehmer unterschreiben, wie in überall sonst auch, einen Vertrag, der den Urlaubsanspruch und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall regelt. Auch in Sachen Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung unterscheiden sich die Verträge nicht von denen in anderen Branchen. Es kommt lediglich manchmal vor, dass der Arbeitnehmer nach einer Weile bei einem anderen Kunden des Personaldienstleisters eingesetzt wird.

Voruteil 2. Geld nur bei Arbeitseinsatz

Im laufe unserer Arbeit haben wir oft von der Befürchtung gehört, in einer Einsatzpause – sprich: im Falle, dass sich kein geeigneter Einsatzort für einen Mitarbeiter findet – nicht bezahlt zu werden. Das ist unbegründet.

Fast alle Arbeitnehmer in der Zeitarbeit haben einen festen Vertrag. Das bedeutet, dass sich die Zeitarbeitsfirma an die gesetzlich geregelten Kündigungsfristen halten muss; egal ob ein Einsatzort gefunden werden kann oder nicht. Das Risiko, einen Mitarbeiter für eine gewisse Zeit nicht unterzubekommen trägt der Personaldienstleister. Der Lohn muss trotzdem ganz normal fortgezahlt werden, genauso wie im Krankheitsfall oder im Urlaub.

Voruteil 3. Zeitarbeit macht sich nicht gut im Lebenslauf

Viele Arbeitnehmer scheuen sich davor, in ihrem Lebenslauf anzugeben, schon einmal in der Zeitarbeitsbranche gearbeitet zu haben. Dafür gibt es keinen Grund.

Da die Zeitarbeit häufig genutzt wird um die Zeit zwischen zwei anderen Jobs zu überbrücken oder als Einstieg/Rückkehr ins Berufsleben dient, schließt sie eher vorhandene Lücken im Lebenslauf. Ob dies nun im Vertragsverhältnis mit einer Zeitarbeitsfirma oder einem anderen Unternehmen geschieht, ist den meisten Personalern egal. Im Gegenteil können Bewerber sogar Pluspunkte sammeln, wenn sie durch die Zeitarbeit bereits Erfahrung und Fachwissen in der entsprechenden Branche sammeln konnten.

Voruteil 4. Zeitarbeit ist für Fachpersonal uninteressant

Wenn man über Zeitarbeit spricht denken viele direkt an Hilfsarbeiter. Und es stimmt, dass Helfer*Innen den größten Teil der Leiharbeiter ausmachen. Jedoch bietet sie auch Rückkehrern und Einsteigern in ihren erlernten Berufen eine gute Möglichkeit, sich schnell auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren.

Gerade in durch die Entwicklungen der letzten Jahre ist die Branche zudem stetig gewachsen und hat sich neben dem „Verleihen“ von Arbeitskräften auch auf die Vermittlung von Fachkräften spezialisiert. Das bedeutet, dass viele Personaldienstleister aktuell dabei helfen, eine Festanstellung in ihre Kundenunternehmen zu vermitteln. Für Arbeitnehmer ist dieser Service in der Regel kostenfrei.

Voruteil 5. Leiharbeitnehmer verdienen für gleiche Arbeit weniger Geld

Eines der hartnäckigsten Vorurteile gegenüber der Zeitarbeit ist, dass Leiharbeiter weniger verdienen als die Belegschaft ihres Einsatzbetriebs.

Wie setzt sich also das Gehalt eines Leiharbeiters zusammen? Die meisten Arbeiter in der Zeitarbeitsbranche werden nach einem Tarifvertrag bezahlt. Die darin festgelegte Lohnuntergrenze liegt über dem Mindestlohn. Je nach Qualifikation, Berufserfahrung und Tätigkeitsfeld wird der Leiharbeiter in eine sogenannte Entgeltklasse eingeordnet. Je mehr Berufserfahrung etc. desto höher der Stundenlohn. Dazu kommen je nach Einsatzgebiet noch Branchenzuschläge, so dass der Leiharbeiter am Ende teilweise sogar mehr verdienen kann als seine Kollegen in der Stammbelegschaft des Einsatzbetriebs.

Voruteil 6. Personaldienstleister halten sich nicht an gängiges Recht

Das ist nicht richtig. Die Bundesagentur für Arbeit kontrolliert die Arbeit von Personaldienstleistern in Deutschland. Neben den EU-Leiharbeitsrichtlinien, die unter anderem angemessene Arbeitsbedingungen regeln, sind viele Zeitarbeitsunternehmen Mitglied in Verbänden (iGZ, BAP), die zusätzliche Verhaltensrichtlinien vorgeben und Tarifverträge festlegen.